Montag, 8. Februar 2016

Eine Ode an meinen feministischen Ehemann

Er ist der beste Ehemann von allen, zumindest für mich. Deswegen habe ich ihn mir ausgesucht. Er ist der tollste Hörnchen-Papa, mein bester Freund und meine große Liebe. Natürlich sind wir uns nicht immer einig. Natürlich blaffen wir uns an, oder grummel still vor uns hin, weil der andere etwas gemacht hat, was wir nicht gut finden. Aber wir versuchen uns immer das Leben soweit wir können einfacher zu machen. Deswegen tue ich meinem Mann gerne etwas gutes. Da bin ich mir auch nicht zu blöd, ihm ein Bier zu bringen wenn er mit seinen Jungs zockt, oder ihm auch seine Hausschuhe zu bringen wenn ich mir meine anziehe.

Und dann lese ich heute drehumdibolzens Tweet der mich zu dem Artikel mit dem schönen Titel "Feministische Vaterschaft?!" führt.
Und merke: es ist viel zu wenig. Ich müsste meinem Mann huldigen. Weil er offensichtlich zu einer kaum existenten Minderheit gehört. Der sich den Mist des Alltags mit mir teil. Selbstverständlich. Und auch für mich selbstverständlich.

Auch wir sind wohl ab der Norm, aber es kommt mir so gar nicht so vor. Es war heute ein ganz normaler Tag. Wir haben die Kinder gemeinsam zur Kita gebracht, ich bin ins Büro, der bEva ins Homeoffice. Er hat dann die Kinder zum Mittagsschlaf nach hause geholt, weil sie nicht ganz fit sind und zu hause besser schlafen. Er hat sie gebadet weil wir das wegen Krankheit am WE nicht geschafft haben. Irgendwann hat er noch die Waschmaschine angeworfen. Ich bin auf dem Heimweg Brot holen gegangen. Wir haben Abendbrot gegessen. Die Hörnchen bettfertig gemacht und ins Bett gesteckt. Als ich wie jeden Abend noch für sie singe, hat er weiter aufgeräumt und abgewaschen. An einem anderen Tag wäre es vielleicht genau andersherum.

Und ich habe mich bedankt bei ihm. Nicht weil es etwas außergewöhnliches ist sondern weil ich ihm dankbar bin, dass er das tut. Genauso wie er mir dankt, wenn ich die Wäsche lege, oder ihm den Rücken frei halte, so wie er mir heute.

Aber wenn ich solche Artikel und Kommentare lese, klingt es immer so als gäbe es solche Männer nicht. Als würden Männer gerade soviel tun um gelobt zu werden. Aber eigentlich wollen sie nur eins: Karriere und das brave Frauchen, dass zu Hause sitzt. Und überhaupt tun sie nie etwas im Haushalt. Und kümmern sich nicht um die "unsichtbaren Arbeiten". (Sprich: Der dumme Kerl sieht einfach nicht was zu tun ist)

Und ja, es gibt auch bei uns Situationen, in denen ich denke "Da hättest Du jetzt auch dran denken können" oder "Klar, das muss ich natürlich wieder machen". Aber ganz ehrlich, es gibt mindestens genauso viele Situationen, in denen ich mich drauf ausruhe, dass Aufgaben vermeintlich seine Aufgaben sind. Ich saß z.B. noch nie bei unserem Steuerberater, ich bringe das Auto nicht zur Wartung, ich mähe nur Rasen wenn er nicht da ist. Ich überlasse ihm gerne die Entscheidung zu unserem Telefonanbieter, oder welches NAS wir kaufen. Und warum? Weil ich weiß, dass er das macht.

Weiß er, dass ich darauf achte wann wir Klopapier brauchen, dass ich die Nacht-Milchfläschchen abfülle (Ja die gibt es leider immer noch), das Windelabo aktualisiere, die nächste Größe Kinderklamotten auffülle. Klar weiß er das. Und kümmert sich nicht weiter darum. Würde er es tun, wenn ich ihn bitte, oder es vergesse? Selbstverständlich. Wenn es sein müsste, säße ich ja auch beim Steuerberater oder würde verschiedene NAS vergleichen.

Aber ganz wie drehumdiebolzen sagt: Nicht den Mund aufmachen, heißt einerseits "selber Schuld" und andererseits unfair und ist kein bisschen hilfreich beim vermeintlichen Problem.
 
Und um noch mal eins klar zu stellen, weil es mich jedes Mal tierisch nervt: Es ist ein Ding für den Vater die zwei Monate der 14 Monaten Elternzeit nicht zu nehmen. Ein anderer zusätzliche Monate zu nehmen. Jeder weitere Monat kostet einfach Geld.

Wir hätten durch die Zwillinge tatsächlich beide 14 Monate auf 65% zu hause bleiben können. Aber das hätte uns ca. 1000€ gekostet pro Monat. Wir wollen noch ein Haus bauen, irgendwann. Da sind 14.000€ nicht zu unterschätzen. Klar könnte man das gleich 7/7 Monate aufteilen. Aber wann habe ich meine Elternzeit geplant? Vor der Geburt. Als ich dachte ich könnte ein Jahr stillen. Da wollte ich zu hause sein.
Und dann blieben nur noch 2 Monate für meinen Mann. die finanziell annehmbar waren. (Dennoch haben wir uns zwei extra Monate geleistet. Für uns. Das war eine gemeinsame Entscheidung. Eine Finanzielle.)

Ich liebe meinen Mann. Ich liebe es, dass er für ihn genauso selbstverständlich ist, dass ich an meiner Promotion arbeite wie für mich, dass er das tut. Und vielleicht ist es nicht die Norm, aber doch ganz normal für mich: Es ist normal, dass wir uns gemeinsam durch den Alltag kämpfen. Und ganz ehrlich: Ich fülle dreimal lieber Milchflaschen ab, als den Wagen in die Werkstatt zu fahren. ;)

Und auch wenn es normal für mich ist was er tut: Danke für alles, ich hoffe ich sage es Dir oft genug, mein bester Ehemann von allen. Ich bin sehr glücklich, dass wir unsere Leben gemeinsam verbringen. 


1 Kommentar

  1. Ja, so. Im Wesentlichen. Und verstehen, dass Feminismus und Emanzipation nicht heißt, dass beide Menschen in einer Beziehung nicht zwingend alles exakt aufteilen müssen. Ich koche auch lieber, als dass ich mich ums Auto kümmere.....
    Schöner Text! Und was ich immer schon mal loswerden wollte: Ich finde es so entzückend, dass ihr eure Beiden Hörnchen nennt.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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