Samstag, 2. Mai 2015

Von schiefen Köpfen und guten Lügnern

A-Hörnchen hatte einen deformierten Kopf. Eine Zeit lang hat sie Ihren Kopf nur zu einer Seite gedreht. Ein Problem mit den Muskeln, vermutlich hat sie im Bauch schon in einer Position festgesteckt und hatte so sehr ungleich trainierte Muskelseiten.
Also haben wir sie versucht auf der Seite zu lagern. Faszinierend wie gut sich ein Säugling bewegen kann nur um wieder auf der Kopfplatte zu liegen... Dann haben wir ein Lagerungskissen gekauft, damit sie doch auf dem Rücken liegen kann. Sie hat schnell gelernt auf dem Po nach unten zu rutschen bis sie nicht mehr auf dem Kissen lag. Und wir waren bei der Physiotherapie. Das hat gut geholfen gegen das Muskelproblem und macht ihr unglaublichen Spaß.

Aber dennoch wurde der Kopf kaum weniger schief. Er war inzwischen so schief, dass sogar das Gesicht schief wurde. Der Kinderarzt schlug uns schließlich vor zu Schädelsprechstunde zu gehen und zu prüfen ob sie einen "Helm" braucht. Also sind wir hingegangen.

Als wir in der Kinderneurochirugie ankamen guckte sich die Ärztin den Kopf kurz an und stellte dann fest, da sollte ein Helm her. Zwar würde sich die Verformung durch die andere Lagerung in der Krabbelphase bessern, aber richtig gut würde es nur mit einer Kopforthese. Bemerkte sie alles durch drauf schauen. Keine Messung.
Die Messung sollte Cranioform durchführen. Also die Leute die die Helme verkaufen. Ein Schelm wer böses....

Also sind wir hin und haben die kleine Vermessen lassen. Und dann ging der eigentliche Betrug los.


Selbstverständlich sollte wir möglichst schnell anfangen. Natürlich müssen wir mit der Krankenkasse klären ob die das übernimmt. Aber bei der starken Verformung ist damit zu rechnen. Ach und denken sie nur an diese Spätfolgen. Aber FALLS die Krankenkasse das nicht bezahlt, müssten wir unterschreiben, dass wir die Kosten von ca. 1900 Euro übernehmen.
Was sie nicht gesagt haben: Die Krankenkassen dürfen es gar nicht mehr bezahlen. Sie haben mal. Aber die Einstufung der Kopforthese wurde geändert. Es ist also unmöglich, dass eine GKV das übernimmt. Das war schlicht gelogen.

Denn die Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt. Deswegen bekommen wir nix. Auch keinen Zuschuss. Hätten wir Zuckerkügelchen gegen Kopfverformung gekauft, hätten wir immerhin 100 Euro bekommen. Wären wir zum Handaufleger gegangen hätten wir mindestens 60 Euro Zuschuss bekommen. Soviel zur Wirksamkeit. Aber solcher Schwachsinn hat in unserer Gesetzgebung einen eigenen Stellenwert. Gute Lobby halt.

Und der Helm hilf.
Ob er besser hilft als abzuwarten? keine Ahnung.
Ob er eine andere Wirkung hat als die schlichte konsequente Lagerung? keine Ahnung.
Ob es wirklich ein maßangefertigter Helm sein muss. keine Ahnung.
Möchten wir riskieren, dass wir unserem Kind die Möglichkeit vorenthalten wieder ein gerades Gesicht zu bekommen? Auf keinen Fall.

Und das ist das wirklich bescheuerte: Wir hätten es eh gemacht. Auch wenn wir gewusst hätten dass wir 2000 Euro dafür zahlen. Aber jetzt hat man das Gefühl mit Betrügern zu tun zu haben. Dann fragt man sich auch gleich, warum die Leute sich so verhalten. Wenn sie sich der Wirksamkeit sicher sind sollte das doch nicht nötig sein.
Als wir uns später über die Situation unterhalten habe, meinten wir beide, dass wir irgendwie ein komisches Bauchgefühl bei der Sache hatten. Wir haben uns jetzt jedenfalls versprochen auf dieses Bauchgefühl besser zu hören.
In diesem Fall hätten wir zwar auch nichts anderes gemacht. Aber wir hätten uns vielleicht weniger geärgert.

Und um den Betrug noch abzurunden, kostet der medizinische Alkohol in der Apotheke gleich daneben ganz zufällig über 10 Euro mehr als der, den ich gerade online versandkostenfrei bestellt habe. Wie gesagt: Ein Schelm....

--marrus

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